Die Speläogruppe Letmathe wurde 1976 in Letmathe gegründet und hat ihren Sitz an der Dechenhöhle.

2016 gehören dem Verein ca. 45 Mitglieder an.

Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt.

Ziele

Primäres Ziel des gemeinnützigen Vereins ist die wissenschaftliche Erforschung sowie der Schutz der westfälischen Höhlen und anderer Karstphänomene. Um diese Ziele zu erreichen
– führen wir Forschungsprojekte im In- und Ausland durch;
– bündeln wir die Kompetenzen der einzelnen Mitglieder;
– arbeiten wir mit wissenschaftlichen Instituten, Vereinigungen und Naturschutzorganisationen des In- und Auslandes sowie anderen Vereinen zusammen;
– leisten wir Öffentlichkeitsarbeit (Publikationen, Tagungen, Ausstellungen, Pressearbeit);
– vertreten wir die Ziele der Höhlen- und Karstforschung gegenüber Behörden;
– setzen uns für den Erhalt verschiedener Karstlandschaften in NRW ein;
– bilden wir jugendliche Neumitglieder als Nachwuchs aus

Wichtige Arbeitsgebiete und Forschungsergebnisse

Hauptarbeitsgebiete sind die Iserlohner Kalksenke, das Hönnetal sowie das Südsauerland. Die Dechenhöhle wurde erstmals vollständig vermessen (870 m). Bedeutende Neuentdeckungen gelangen in der Knitterhöhle (Bachhöhle unterhalb der Dechenhöhle, 800 m), im Bunker-Emst-Höhlensystem (3300 m), der Hüttenbläserschachthöhle (4850 m) sowie der B7-Höhle, die mit einer Gesamtlänge von über 5 km, die längste Höhle im Märkischen Kreis ist. Insgesamt erreichen die Höhlen des Grüner Tales damit eine Gesamtlänge von ca. 17 km. Die Untersuchungen werden fortgesetzt.
Der erste vollständige Plan der Wermingserbachhöhle im östlichen Iserlohner Stadtgebiet wurde erstellt.
Desweitern wurden zahlreiche Klein- und Mittelhöhlen neu entdeckt, wie z.B. der 420 m lange Kleine Schacht, die 150 m lange Nebelkammer sowie Reste und Fortsetzungen der zerstört geglaubten Martinshöhle, einer ehemals bedeutenden Kulturhöhle.

Im Hönnetal wurden seit 1976 in der Friedrichshöhle über 1400 m Gänge entdeckt, wodurch diese zum längsten und bedeutendsten Karstphänomen dieses Gebietes geworden ist. Ein auch die Feldhofhöhle, Tunnelhöhle und Karstquelle umfassender Gesamtplan dokumentiert dieses bedeutendste Karstobjekt des Hönnetales.

Im Südsauerland liegt der Forschungsschwerpunkt auf der Attahöhle, in der wir seit 1983 über 5 km neuer Gänge entdeckten. Zur Zeit beträgt die Gesamtlänge rund 6,7 km. Mehrere Dokumentarfilme von ZDF und WDR boten auch der Öffentlichkeit Einblick in die phantastische Tropfsteinwelt. Weiterhin betreuen wir die 1980 entdeckte 348 m lange Muttersteinhöhle.

Die Briloner Karsthochfläche war bis Ende der achtziger Jahre ein weiteres Arbeitsgebiet. Unter anderem konnte die Rösenbecker Höhle bis auf 1350 m erkundet und vermessen werden.
Umfangreiche Untersuchungen, unter anderem zu den Speläothemen, gab es zur Ostenberghöhle in den Sparganophyllumkalken bei Meschede, die zusammen mit anderen Vereinen betreut wird.
In Warstein untersuchen wir seit 1991 das Bilsteinhöhlen-System.

Seit 1994 wird das Gottesackerplateau am Hohen Ifen im deutsch-österreichischen Grenzgebiet in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Höhle und Karst Grabenstetten e.V. mit großem Erfolg und Potential erforscht.
Desweiteren gab es mehrere Forschungsexpeditionen in der Türkei und der Schweiz.

Wissenschaftliche Auswertung

Es wird angestrebt alle Bereiche der Höhlenkunde wissenschaftlich zu bearbeiten.
Speziellere Untersuchungen konzentrieren sich zur Zeit auf die Genese der Höhlen des Grüner Tales, die Genese der Sinterformen, die Bearbeitung bedeutender paläontologischer Funde (Rentier, Nashorn) sowie die Bedeutung der Vereisungsperioden für Sinterzerstörungen. Zahlreiche Diplomarbeiten und Dissertationen zu höhlenkundlichen Themen wurden und werden durch Mitglieder des Vereins bislang angefertigt und unterstützt. Mehrere Projekte werden in enger wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit geologischen und geographischen Instituten, insbesondere mit der Arbeitsgruppe Höhlen vom geologischen Institut der Ruhr-Universität Bochum sowie der Forschungsgruppe Höhlenklima vom geographischen Institut der Ruhr-Universität-Bochum verfolgt. Themen sind hier zur Zeit die geochemische Rhythmik an quartären Speläothemen, Sinter- und Sedimentkartierungen in verschiedenen Höhlen sowie zahlreiche höhlenklimatologische Untersuchungen. Eine enge Zusammenarbeit gibt es darüber hinaus mit paläontologischen Instituten, naturwissenschaftlichen Museen und anderen Höhlenforschern.

Dokumentation, Publikation, Öffentlichkeitsarbeit

Jede bearbeitete Höhle wird mit Plan, Fotos und evtl. Video dokumentiert. Die Ergebnisse wurden bis 1992 in unserer seit 1984 erscheinenden Zeitschrift “Mitteilungen und Berichte”, seit 1993 im “Speläologischen Jahrbuch” sowie in anderen Fachzeitschriften veröffentlicht. 1995 haben wir mit dem Buch “Höhlen in Iserlohn” die wichtigsten Ergebnisse unserer Forschung im Iserlohner Gebiet zusammengefaßt. Ausstellungen im Museum Dechenhöhle und Diavorträge informieren die Öffentlichkeit über die neuesten Forschungsergebnisse. Sporadisch wird auch über Presse, Radio und Fernsehen informiert.

Internationale Kontakte, Veranstaltungen von Tagungen, Mitgliedschaften

Die Speläogruppe Letmathe legt großen Wert auf Kontakte und Zusammenarbeit mit Höhlenforschern und Organisationen im In- und Ausland. Regelmäßig nehmen Mitglieder an Fachkongressen und Tagungen teil.
Der Verein ist aktives Mitglied im Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher und dort zeitweise auch im Vorstand engagiert. In Letmathe veranstalteten wir 1987, 1995 und 2007 die “Verbandstagung der deutschen Höhlen- und Karstforscher” mit jeweils über 250 Teilnehmern aus zahlreichen europäischen Ländern, 1998 und 2000 waren wir an der Durchführung in Gerolstein und Oberstdorf beteiligt. 1989 organisierten wir ein ebenfalls international besuchtes “Symposium zur Geschichte der Höhlenforschung in Deutschland” an der Dechenhöhle. 1998 fand die jährliche Tagung der “Hugo-Obermeier-Gesellschaft” zur Erforschung des Eiszeitalters an der Dechenhöhle statt.

Ebenfalls an der Dechenhöhle organisieren wir seit 1984 die “Monatsversammlung der Rheinisch-Westfälischen Höhlen- und Karstforscher”. Auch Arbeitskreise für Höhlenschutz und Höhlenrettung tagten hier mehrmals.

Höhlen- und Naturschutz

Die Speläogruppe Letmathe stellt den Höhlenschutz gleichwertig neben die Höhlenforschung.
Gefährdete Höhlen wurden sicher verschlossen, Reinigungsaktionen durchgeführt und die Öffentlichkeit durch Ausstellungen und Informationsblätter aufgeklärt. Gutachten und Stellungnahmen verhinderten beispielsweise die geplante Überbauung der letzten einigermaßen unberührten Karsthochfläche in Iserlohn, der Sonderhorst.